Neubau kommt nicht – Schrottreaktor Borssele soll dafür jetzt 60 Jahre laufen!

Die Laufzeit des AKW Borssele bei Vlissingen soll auf 60 Jahre (!) verlängert werden. Klever Bürger können bis zum 5. Dezember 2012 Einspruch erheben. Ein Mustereinspruch liegt vor.

Mustereinspruch gegen die Laufzeitverlängerung des AKW Borssele

Leider sind die Probleme rund um die Atomkraft auch mit dem Ausstieg Deutschlands nicht alle behoben. In den Nachbarländern sind immer noch AKWs aktiv, die bei einem Unfall auch Deutschland beträfen. Nachdem im Frühling letzten Jahres ein Ausbau des AKWs Borssele (Niederlande) zumindest erst mal für einige Jahre verhindert werden konnte, steht nun eine Laufzeitverlängerung dieses AKWs auf der Tagesordnung. Dabei soll die Betriebsgenehmigung des bereits 39 Jahre alten Reaktors jetzt auf 60 (!) Jahre erhöht werden.

Nur zum Vergleich: Das AKW Tihange (Belgien), das wegen seiner zahlreichen Pannen einhellig als “Schrott-Reaktor” bezeichnet wird, ist ganze 2 Jahre jünger.

Einspruch bis 5. Dezember 2012

Damit es nicht zu dieser unverantwortlichen Verlängerung kommt, möchten wir Euch bitten bis zum 05.12.2012 Eure Meinung mit Hilfe der angehängten Mustereinwendung zu formulieren und an die niederländische Regierung zu schicken.

Berechnung der Entfernung

Falls Ihr Euch noch mal vergegenwärtigen wollt, wie viele Kilometer eigentlich zwischen Eurer Stadt und dem AKW liegen, könnt Ihr dieses Tool benutzen: http://www.luftlinie.org/

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Muster für einen Einspruch

Eigene Adresse

Ministerie van EL&I
Programmadirectie Nucleaire Installaties en Veiligheid
O.v.v. Ontwerpbeschikking EPZ Bedrijfsduurverlenging KCB
Aanleverpunt C-Noord3/A17
Postbus 20401
2500 EK DEN HAAG

(Datum)

Genehmigung für eine Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerkes in Borssele bis 2033
Einspruch

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit erhebe ich Einspruch gegen die Verlängerung der Betriebsgenehmigung des Atomkraftwerks in Borssele bis 2033.

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich in einem parteiübergreifenden Konsens entschieden, aus der Atomkraft auszusteigen. Auch Japan, Belgien und die Schweiz werden die Nutzung der Atomkraft beenden. Andere Staaten wie Italien wollen gar nicht in die Nutzung der Atomkraft einsteigen oder haben zumindest keine Ausbaupläne.

Ich erwarte daher auch von den Niederlanden, Atomkraftwerke abzuschalten und erst recht keine neuen Atomkraftwerke zu bauen. Die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass die Atomkraft eine nicht verantwortbare Technologie ist. Hinzu kommt die weltweit nach wie vor ungelöste Endlagerfrage. Wir hinterlassen, in einer historisch betrachtet sehr kurzen Phase der Atomkraftnutzung, unseren Nachkommen für tausende Generationen hochradioaktiven Müll mit all seinen Problemen und Risiken.

Die Ressourcen an spaltbarem Material sind genauso begrenzt wie die Vorräte an Öl und Gas, und verstärken aufgrund ihrer Vorkommen die Importabhängigkeit Europas. Atomkraft ist auch in dieser Hinsicht kein Beitrag zu einer sicheren und nachhaltigen Energieversorgung.

Zur Begründung im Einzelnen:
1.      Meine Grundrechte auf körperliche Unversehrtheit, Leben und Eigentum sind durch die Pläne zur Verlängerung der Betriebsgenehmigung des AKW Borssele gefährdet. Umweltverträglichkeit und Genehmigungsfähigkeit sind nicht gegeben. Atomenergie ist, ausweislich der endlosen Pannenserien von Three Mile Island über Forsmark, Tricastin, Stade, Krümmel und viele anderen bis hin zu den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima, unbeherrschbar und nicht mit dem durch den EU-Vertrag und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland garantierten Schutz der Bevölkerung vereinbar.

2.      Das AKW Borssele ist mit nun 39 Betriebsjahren eines der ältesten noch in Betrieb befindlichen AKWs in Europa. Aber auch in Kernkraftwerken gibt es Materialermüdung, deren Umfang in einem so alten AKW nicht vorausgesagt werden kann. Verschleiß führt zu Pannen, das wird auch bei den zahlreichen Vorfällen im vergleichbar alten AKW Tihange (Belgien) sichtbar. Bei einer Verlängerung auf 60 Betriebsjahre kann ein unfallfreier Betrieb nicht gewährleistet werden.

3.      Da ich mit meiner Familie in ????????? und damit nur ????? Kilometer von Borssele entfernt wohne, können radioaktive Stoffe von Borssele über den Luftweg bis zu unserem Wohnsitz gelangen sowie in unsere Atemluft und in die Nahrung.

4.      Ich befürchte Verseuchung und Verstrahlung durch Leckagen, Störfälle und Erdbeben, wie sie auch in anderen AKW weltweit eingetreten sind. Der Weiterbetrieb des AKW Borssele würde eine zusätzliche Produktion und Lagerung von Atommüll verursachen und noch mehr Uran- und Atommülltransporte erfordern. Das Risiko von Transportunfällen und Flugzeugabstürzen nimmt zu, zumal Borssele in einem dicht genutzten Flugkorridor liegt; der radioaktive Fallout würde gerade angesichts der vorwiegenden Westwindlagen auch meinen Heimatort ???????? erreichen.

5.      Der Standort von Borssele direkt an der Küste auf Höhe des Meeresspiegels ist hochrisikoreich wie die Katastrophe von Fukushima vor Augen führt. Wahrscheinlich weniger ein Tsunami, dafür aber die Gefahr schwerer Sturmfluten, wie es sie an der Nordseeküste immer wieder gegeben hat, bedrohen die Sicherheit eines Atomkraftwerks. Mit einem durch den Klimawandel ansteigenden Meeresspiegel und zunehmenden Extremwetterlagen erhöht sich diese Gefahr noch weiter. Dass technische Sicherheitsvorrichtungen selbst in einer hochentwickelten Industrienation wie Japan am Ende immer begrenzt sind, zeigt Fukushima.

6.      Radioaktivität (Strahlung / Partikel) und z. B. tritiumhaltige Abwässer aus Borssele gefährden in der Nähe der Anlage und weiter entfernt Mensch und Natur. Bereits im sogenannten Normalbetrieb des AKW Borssele würde weiter Radioaktivität frei. In Deutschland dokumentierte 2007 eine Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz vermehrt Leukämiefälle bei Kleinkindern in AKW-Nähe. Die Ergebnisse der Studie müssen im Zusammenhang mit dem geplanten AKW Borssele berücksichtigt werden.

7.      Der verlängerte Betrieb des AKW Borssele würde den lebensfeindlichen Uranabbau vermehren und die Abhängigkeit der Niederlande von Uran-Importen erhöhen.

8.      Eine militärische Nutzung von Atombrennstoff und Atommüll der Reaktoren in Borssele kann grundsätzlich ebenso wenig ausgeschlossen werden wie Atomspionage. Das Risiko von Anschlägen sowie dem Diebstahl von radioaktivem Material durch Extremisten nimmt zu.

9.      Es wird kein Endlager geben, in dem der Atommüll, der im Reaktor Borssele anfallen würde, wirklich sicher gelagert werden kann. Die negativen Erfahrungen der deutschen Endlagerprojekte Asse und Gorleben sind im Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen. Auch in den Niederlanden ist mir kein sicheres Endlager für Atommüll bekannt.

10.  Die niederländische Provinz Zeeland ist eine stark vom Tourismus geprägte Region. Auch ich habe dort bereits Urlaub gemacht. Für mich ist fraglich, ob ich Zeeland auch in Zukunft noch einmal als Urlaubsziel wähle, wenn die Pläne zur Verlängerung der AKW-Laufzeit tatsächlich realisiert werden.

Ich behalte mir vor, diesen Einspruch näher zu erläutern und zu ergänzen und beantrage kostenlos und laufend, persönlich über den Stand des Verfahrens informiert zu werden.

In Erwartung Ihrer Stellungnahme verbleibe ich

(Unterschrift)

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