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7. November 2008

Grünen-Chef Fritz Kuhn Ehrengast des Klever Wirtschaftsforums

Fritz Kuhn, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, hielt als diesjähriger Ehrengast die Hauptrede auf dem Wirtschaftsforum Kleverland 2008 in der Klever Stadthalle.

Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben

In der Welt geht das Gespenst der Finanzmarktkrise um. Die Finanzmärkte haben sich. getrieben von einem überzogenen Renditewahn in den letzten Jahren, zu einem Monster entwickelt.

Was wir derzeit erleben, ist ein Strukturwandel auf den Finanzmärkten, verbunden mit einem Hinterfragen der ethischen Grundlagen unserer Wirtschaftsordnung.

 

Strukturwandel muss gebändigt werden

Der Strukturwandel ist ein Wesensmerkmal des Kapitalismus. Durch das Entstehen neuer Märkte oder Organisationsformen verändern Unternehmen die ökonomische Basis unserer Gesellschaft. Struktureller Wandel kann daher Niedergang und gleichzeitig ökonomischen Aufbruch bedeuten. Schumpeter nannte dies den Prozess der schöpferischen Zerstörung.

Diese Entwicklung ist auch in der Region Niederrhein zu beobachten. Waren im Steinkohlebergbau in den 80er Jahren noch über 27.000 Menschen tätig, sind es heute nur noch knapp über 5.000. Die wirtschaftlichen Kompetenzfelder der Region liegen heute u.a. in den Bereichen Logistik, Umwelt und Energie aber auch im Agro-Business. Aufgabe der Politik ist es, die richtigen Rahmenbedin-gungen für die Entfaltung dieses schöpferischen Prozesses zu setzen.

Musterbeispiel: Gesetz zur Förderung rgenerativer Energien

Auf den Finanzmärkten sind die Rahmenbedingungen falsch gesetzt. Hier müssen in den nächsten Wochen und Monaten die Weichen neu gestellt werden. Die Rahmenbedingungen sind aber auch entscheidend für das Wachstum der Realwirtschaft. Dies wird zum Beispiel am Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien deutlich. Hier hat der Staat die richtigen Signale gesetzt und Anreize für einen profitablen Strukturwandel geschaffen. Deutschland steht heute mit an der Spitze bei der Produktion von Umwelttechnologien. Der dafür notwendige Leitmarkt wurde in Deutschland entwickelt. Auch der Niederrhein hat, wie man an den zahlreichen Windrädern und Biomassekraftwerken sehen kann, von dieser Entwicklung profitiert. Ein falsches politisches Signal ging dagegen von der Selbstverpflichtung der Automobilindustrie zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes aus. Die deutschen Automobilbauer haben die Selbstverpflichtung als Wartesignal interpretiert und stehen nun vor großen Schwierigkeiten, die umweltpolitischen Vorgaben der Europäischen Union in kurzer Frist zu erfüllen.

Umweltgerechtes Wirtschaften kein Luxus

Unternehmen müssen lernen, dass umweltgerechtes Wirtschaften sich vom Status eines Luxusgutes zu einer zentralen strategischen Komponente entwickelt hat. Bereits heute betonen deutsche Geschäftsbanken, dass ökologische Aspekte bei der Unternehmensbewertung eine immer stärkere Rolle für die Kreditvergabe spielen werden. Unternehmen, die es schaffen, ihren Energieverbrauch zu reduzieren oder auf alternative, umweltfreundliche Energiequellen umsteigen, werden im ökonomischen Wettbewerb einen Vorteil erlangen. Steigende Energiepreise und die breite Anwendung des Emissionshandels sind die treibenden Kräfte für energieeffizientes und C02-armes wirtschaften.

Konzept der Günen Marktwirtschaft

Das von uns entwickelte Konzept der Grünen Marktwirtschaft beschreibt u.a. für die Bereiche Wirtschaftsförderung, Arbeitsmarkt und soziale Sicherung, welche Rahmenbedingungen für diesen Strukturwandel notwendig sind. Auf diesem Weg können die heute vielfach angezweifelten ethischen Grundlagen unserer Wirtschaftsordnung neu begründet werden.

Ich bin überzeugt und voller Vertrauen, dass die Unternehmer in der Region Niederrhein auch in Zukunft die Chancen nutzen und mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben werden. Als Politiker werden wir Sie dabei unterstützen.


Fritz Kuhn,
Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag,

Rede als Ehrengast des Wirtschaftsforums Kleverland, Stadthalle Kleve  07.11.2008 Qu

Als pdf-Dokument: Fritz Kuhn zum grünen Investitionsprogramm als Alternative zum Konjunkturprogramm der Bundesregierung

Fritz Kuhn,Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag