
Bruno Jöbkes - Der Youngster
Kreis Kleve. Mit 41 Jahren ist er der Youngster unter den Bundestagskandidaten. Und er kämpft ohne jede Aussicht auf ein Mandat in Berlin. „Ich möchte dafür werben, dass die Inhalte des Wahlprogramms der Grünen nach vorne gebracht werden”, nennt der Wachtendonker Bruno Jöbkes seine Motivation.
Ob das am Sonntagabend zu einem „Erdrutsch” führe oder nicht, sei kaum einschätzbar. „Ich würde mich schon freuen, wenn in das eingefahrene alte Mehrheitsverhältnis Bewegung käme”.
Gegen Koalition mit den Linken
Eines lehnt er konsequent ab: Eine Koalititon mit den Linken. „Ich sehe deren Haltung zu Afghanistan und Europa extrem kritisch.” Vor allem die Haltung zu Europa „Rücknahme statt Hingehen” stört ihn. Für rot-grün werde es vermutlich nicht reichen, glaubt Jöbkes. Wenn kontroverse Haltungen beispielsweise zur Atomkraft auf Ebene der Politspitzen ausgeräumt würden, könnte mit CDU und FDP sicher über Energiesicherheit fachlich debattiert werden.
Energie ist Zukunft
„Energie ist Zukunft”, sagt Bruno Jöbkes. Antwort der Grünen darauf sei der „Grüne Neue Gesellschaftsvertrag”. Es müsse verstärkt in erneuerbare Energien wie Biomasse, Wind und Solar investiert werden. „Das sollte aktiv angegangen werden”. Dadurch und durch energetische Gebäudesanierung könnten Arbeitsplätze im Handwerk geschaffen und gehalten werden. Vor fünf Jahren habe kaum ein Installateur damit geworben Solaranlagen zu bauen, das habe sich komplett geändert. Bruno Jöbkes will daran mitwirken, dass der Kreis ein „Kreis der Energie und Vorreiter im Klimaschutz” wird.
Kredite zurückzahlen
Dem Flughafen Niederrhein räumt er gute Chancen ein. Unter folgenden Voraussetzungen: Der Investor zahlt die 24-Millionen-Euro-Kredite an den Kreis zurück. Das Land erstellt einen Luftverkehrsplan, in dem die Notwendigkeit des Airports Weeze festgeschrieben wird: „Dann hat der Flughafen eine Daseinsberechtigung”. Erhebung einer Kerosionssteuer lautet eine weitere Forderung. Kritisch könnte es werden, wenn der Flughafen Gebühren erheben müsse und die Billigairline Ryanair dann mit Rückzug drohe, glaubt Jöbkes.
Keine Agrarfabriken
Positiv findet Bruno Jöbkes, dass sich der Kreis Kleve und Wirtschaftsförderer Kuypers die Themen Agrobusiness und Landwirtschaft auf die Fahnen geschrieben und ein Gutachten für einen Ausbau des Unterglas-Anbaus in Auftrag gegeben haben. Dieser Ansatz sei falsch, gibt Jöbkes zu bedenken. Es sei erwiesen, dass auf diesem Wege angebaute Produkte erheblich weniger Nährwert hätten. Hinzu komme, dass dafür Flächen von bis zu 50 Hektar versiegelt werden müssten. Folge seien Probleme mit Abwasser und für das Grundwasser.
Bildung, Sozialticket und Mindestlohn
Positiv ist für ihn, dass sich bei diesem Thema der Kreis mit der Hochschule Rhein-Waal schließe, die entsprechende Studiengänge anbiete.
Zur Familienpolitik fordert er einen Ausbau von Kindertagesstätten und Kindergärten – und zwar für die Familien in erreichbarer Nähe: „Ohne dass Mobilität mit dem Auto erforderlich ist.” Private Einrichtungen müssten stärker gefördert werden, da auf dem Land weniger staatliche oder städtische Einrichtungen vorhanden seien. Durch eine ausreichende Anzahl von Kinderbetreuungs-Einrichtungen könne Fehlentwicklungen vorgebeugt werden: „Weil man dadurch frühzeitig den Kontakt zu Familien hat.”
Einführung von Sozialticket und Mindestlohn sind für ihn weitere zentrale Politthemen.
Kurzvita
Politisch engagiert
Bruno Jöbkes engagiert sich seit 1994 bei den Grünen. Gentechnikfreie Landwirtschaft, Bürgerversicherung und Generationengerechtigkeit sind ihm wichtige Politikziele. Der 41-jährige wurde in Krefeld geboren. 1994 zog er mit seiner ehefrau nach wachtendonk. Seine 12 und 14 Jahre alten Töchter sind waschechte Wachtendonker. Er liebt die stadt und den kreis kleve, sagt bruno Jöbkes.
Im Internet: www.joebkes.de
NRZ Niederrhein, 23.09.2009, Gaby Boch (Text) und Thorsten Lindekamp (Foto)























