Grüne: „Kleve steht vor Verkehrskollaps“

Grüne: "Kleve steht vor Verkehrskollaps"

Ein typischer Mittag an der Gruftstraße: Der Verkehr staut sich. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Die Kreisstadt muss über ein neues Verkehrskonzept nachdenken: Schon bei kleinsten Störungen läuft es nicht mehr, ist die Gruft-Straße überlastet. Das Thema wird ausführlich im Umwelt- und Verkehrsausschuss diskutiert. Von Matthias Grass und Marc Cattelaens

Es staut mal wieder in Kleve: Kaum ist das fragile Verkehrssystem der Stadt irgendwo gestört, läuft’s nicht mehr. Derzeit repariert Straßen.NRW die Fahrbahnübergänge der Klever Ring-Brücke über die Kalkarer Straße. Folge: Die Gruft am anderen Ende der Stadt ist dicht. Und das nicht nur zu den Stoßzeiten, wie ein Sprecher der Klever Polizei bestätigt. Die Polizei bemängelt allerdings auch, dass die Baustelle ausgerechnet zu Ferienende fortgesetzt wurde, wo der Verkehr wieder verstärkt durch die Stadt rollt.

Eigentlich hätten die Bauarbeiten bereits zum Schulbeginn beendet sein sollen, doch es kam zu Verzögerungen. Straßen.NRW macht Regenwetter in den vergangenen Wochen dafür verantwortlich. „Hätten wir den Straßenbelag trotzdem gegossen, hätten wir die Straße in einem halben Jahr wieder aufreißen müssen“, sagt Sprecher Stephan Huth. Er kündigt das Ende der Bauarbeiten nun für den kommenden Samstag, 9. September, an. „Wir haben auch mitbekommen, dass sich auf dem Klever Ring Staus bilden“, sagt Huth.

Deswegen hat Straßen.NRW jetzt die Einbahnstraßenregelung an der Baustelle aufgehoben und eine Baustellensignalanlage, sprich provisorische Ampeln aufgestellt, so dass der Verkehr, wenn auch verzögert, in beide Richtungen fließen kann. Zusätzlich sollen Umleitungsschilder aufgestellt werden, die – wenig überraschend – die Route die Gruftstraße hinauf als Ausweichstrecke empfehlen. Da steht dann wie gewohnt der Verkehr.

Nach Ansicht des BUND Kleve liegt der Grund des Staus primär nicht an der zusätzlichen Anzahl an Pkw, sondern werde durch den schlechten Abfluss an den Kreuzungen verursacht. „Abhilfe sollte ein Ring von Einbahnstraßen mit der Römer-, Linden- und Ringstraße schaffen“, sagt Karl-Heinz Burmeister vom BUND. Kleves Ex-Bürgermeister Theo Brauer hatte in seiner Amtszeit vor einem Kollaps gewarnt, wenn die maroden Klever Ring-Brücken über den Spoykanal und über die Spyckstraße saniert werden müssen.

Schon bei kleinsten Störungen ist die Gruft-Straße überlastet. FOTO: Gottfried Evers

Politisch zuständig ist der Umwelt- und Verkehrsausschuss. Hier drängt Vorsitzender Michael Bay (Grüne) schon seit geraumer Zeit auf eine grundsätzliche, fraktionsübergreifende Diskussion über ein neues Verkehrskonzept für die Stadt. Mit der Verwaltungspitze und mit Tiefbau-Fachbereichsleiter Bernhard Klockhaus sei abgesprochen, diese Diskussion für den Umwelt- und Verkehrausschuss vorzubereiten. Die Debatte soll in der übernächsten Sitzung geführt werden, verspricht Bay.

„Als Grüne diskutieren wir seit 2003 darüber. Daraus ist unser Ringkonzept entstanden“, sagt der Grünen-Politiker. Teil dieses Konzeptes sei die B 220neu als Ortsumgehung Kellen, die den Verkehr von Emmerich kommend in Richtung Sternbusch führen wird und somit die Stadtdurchfahrt über die Gruft entlasten soll. Die Straße ist im Bundesverkehrsplan und soll demnächst kommen. Dennoch konstatiert Bay: „Der Stadt fehlt ein vernünftiger, neuer Verkehrswegeplan. Mehr noch: Was wir brauchen, ist ein umfassender Mobilitätsplan“.

Man müsse fragen, welche Straßen sind notwendig, wo kann man innerstädtische Radbahnen bauen, um den Verkehr vom Auto aufs E-Bike zu bekommen, wie könne man das Verkehrsnetz auf die zukünftige E-Mobilität umstellen: „Wir müssen bedenken, dass 70 Prozent des Verkehrs auf Strecken unter drei Kilometer stattfindet, wir müssen darüber nachdenken, wie man diese Kurzstrecken für Fahrrad- oder E-Bike-Fahrer attraktiv macht. Wir müssen auch über den öffentlichen Personennahverkehr nachdenken. Und das jetzt, sonst wir stehen in den kommenden Jahren vor einem Verkehrskollaps“, erklärt Bay.

Er schlägt vor – auch das soll im Umwelt- und Verkehrsausschuss diskutiert werden – eine Mitgliedschaft im „Zukunftsnetz Mobilität NRW“ anzustreben. „Dort sind inzwischen 117 Landkreise organisiert, die sich austauchen über ihre Verkehrsprobleme, die ihre Lösungen miteinander vergleichen. Das wäre eine Bereicherung für Kleve“, so der Grünen-Politiker.

Der Beitrag sei frei, aber die Stadt müsse einen „Mobilitätsmanager“ bestellen. „Für diese Stelle sind vielleicht zusätzliche Mittel notwendig, aber ich bin überzeugt, dass wir die über Drittmittel wieder erstattet bekommen“, sagt Bay. Ziel des Ganzen: ein übergeordneter Mobilitätsplan mit einem neu überdachten Verkehrswegeplan.

Quelle: Rheinische Post vom 5. September 2017

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