Stadt würde gern eine Marina bauen

Die Idee: Ein Stadthafen am XOX-Gelände an der Hochschule. Die Bürgermeister: „Wenn wir einen Betreiber und Investor wüssten, nähmen wir ihn mit Kusshand“

 

Ein Stadthafen für Kleve ist gar nicht so abwegig. „Eine Marina zu bauen ist ein großes Anliegen von uns,“ verrät Dr. Artur Leen­ders, stellvertretender Bürgermeis­ter und Fraktionsmitglied der Grünen. Und auch Bürgermeister Theodor Brauer (CDU) antwortet der NRZ: „Eine Marina in Kleve zu realisie­ren ist eine lohnende Zielsetzung, für die es alle Anstrengungen zu unternehmen gilt.“

Alle Politiker sind sich ja einig, „dass wir mehr das Wasser in die Stadt holen wollen“, erinnert Leenders. Allerdings werde so ein Yacht­hafen nicht im ehemaligen Hafen­becken (gegenüber Holz Dorsemagen) oder am Minoritenplatz lie­gen können, weil die Bahnlinie re­aktiviert werden solle, der Höhen­unterschied groß ist. Weil mittlerweile drei Brücken über den Spoykanal gebaut wurden (eine funktioniert als Zugbrücke). Überhaupt sei Gift im Untergrund des Hafens zu erwarten.

Nicht im Hafenbecken
„Aber vor der Hochschule Rich­tung Kellen kann es ein Hafenbe­cken mit Liegeplätzen geben,“ ver­rät Leenders neue Ideen. Das XOX-Gelände böte Platz für Werft und Schreinerei, eine Mischkalku­lation. Wenn wir einen Betreiber und Investor wüssten, nähmen wir ihn mit Kusshand.“ Die Stadt wür­de „finanziell helfen“, aber nicht al­lein investieren können.

„Für den Erhalt der Schleuse Brienen wäre das enorm gut.“ Wie mehrfach berichtet, überlegte die Wasser- und Schifffahrtsverwal­tung aus Kostengründen den Be­trieb einzustellen. Leenders: „Mög­licherweise wird die Bundeswas­serstraße Spoykanal zur Landes­wasserstraße rückgestuft“, so dass das Land oder die Stadt die Schleu­se nach Sanierung betreiben könn­ten. ,Vielleicht wollen ja die Marina Emmerich oder Duisburg in Kleve einen zweiten Platz betreiben.“

Emmerich jedenfalls nicht, sagt Marianne van de Sand der NRZ auf Nachfrage. Die Marina Emme­rich ist mit 420 Liegeplätzen der größte Yachthafen am Rhein, weil er auf der Mitte zwischen Nieder­landen und Ruhrgebiet liegt. „Was wir haben, reicht uns. Wenn ich so viel Geld hätte, in einen neuen Yachthafen zu investieren, würde ich keinen betreiben,“ so Marianne van de Sand.

Zufahrt zum Kanal auskoffern
Sie kenne zwar die Gegebenheiten in Kleve nicht genau, vermutet aber, dass die Untiefe Vossegatt als Zufahrt regelmäßig teuer ausgekof­fert werden müsste. Damals, als der Industriehafen Kleve noch für die Berufsschifffahrt gebraucht wurde, übernahmen das die Firmen. Heu­te aber könnten im Sommer bei Niedrigwasser manche Skipper „nicht in Urlaub fahren, weil sie ihre Boote nicht aus dem Klever Hafen ‚raus bekommen“, weiß sie.

Kleves zweiter stellvertretender Bürgermeister Josef Gietemann (SPD) wäre „grundsätzlich für einen Yachthafen Kleve, wenn sich das finanziell darstellen lässt. Bei der Standortfrage gebe ich einer Schienenverbindung nach Nimwegen die höhere Priorität“.

• Die NRZ befragte auch jenen Planer, der 2000 bereits einen Ent­wurf für einen Yachthafen mit Speicherstadt sowie für eine Pro­menade und Seebühne auf dem Minoritenplatz entwarf – und da­mals nicht ernst genommen wurde.

Von Astrid Hoyer-Holderberg, NRZ vom 18.05.2013

 

Verwandte Artikel