Theologin Meyer-Wilmes ist neue Grünen-Fraktionschefin

Dr. Hedwig Meyer-Wilmes führt seit Januar 2013 die Fraktion der Grünen im Klever Stadtrat. Die NRZ veröffentlicht ein Portrait der weitgereisten Theologin, Hochschullehrerin und Pädagogin.

Hedwig Meyer-Wilmes ist neue Grünen-Fraktionschefin

Dr. Hedwig Meyer-Wilmes ist die neue Fraktionsvorsitzende der Klever Grünen.Foto: Heinz Holzbach


Dr. Hedwig Meyer-Wilmes führt jetzt die Fraktion der Grünen im Klever Stadtrat. Die Theologin kam durch die Welt und fand hier den Fleck zum Leben.

Es ist für sie nur logisch, dass sie sich mehr in der lokalen Politik engagiert. Dr. Hedwig Meyer-Wilmes suchte nach ihrer Tätigkeit in vielen Städten und Ländern der Welt „einen Fleck, an dem ich zu Hause bin“. Sie wählte Kleve. Eine Wohnung im Dachgeschoss eines schönen Altbaus, mit Blick auf die Schwanenburg. Zum Jahresbeginn übernimmt sie nun den Fraktionsvorsitz für die Grünen im Stadtrat Kleve.

Neun Geschwister

Eigentlich wohnt sie zwar seit 1986 in Kleve, war aber beruflich in den Niederlanden so gebunden, dass sie erst seit 2007 Kleve wirklich als Heimat wahrnahm. Da verließ sie den Lehrstuhl für feministische Theologie an der Radboud Universität Nimwegen. (Sie war auch Mitglied des wissenschaftlichen Evaluationsteams zur Qualitätsprüfung der Lehre aller theologischen Fakultäten in den Niederlanden).

Gegen Ungerechtigkeit

„Mein Vater hat immer gesagt, Christentum hat mit Gestaltungswillen zu tun“, das sieht sie als Tochter einer Bauernfamilie mit zehn Kindern auch so.
„Als Frau habe ich in der Religion gegen Ungerechtigkeit und Strukturverquerung angekämpft“, erzählt sie. Als kämpferische Frau in der Religion hatte sie aber auch Chancen, wie kaum ein anderer – hatte Lehraufträge für systematische, feministische und praktische Theologie in Jerusalem, Tübingen, Würzburg, Bonn, Frankfurt, Linz und Berlin. Selbst Brasilien und Uganda waren Lebens-Stationen der Katholikin aus Beckum. Und jetzt Kleve. „Für mich passt das.“

Feste Werte

Sie gibt am Berufskolleg FOS-Abiturienten Religionsunterricht, schult angehende Erzieherinnen in Religionspädagogik. „Die 17- bis 24-Jährigen – und andere Erwachsene – zeigen ein großes Bedürfnis nach festen Werten und Diskussion über Tod und Glaube“, urteilt die Lehrerin. Ihr Stil ist es, nicht nur über Welt-Religionen zu reden, sondern sie spüren zu lassen: Wenn das Thema Buddhismus heißt, lässt sie die Klasse verschiedene Formen von Meditationen üben. Abends gibt sie Weiterbildungs-Kurse für Sozialmanagement.

Bildung und Kultur sind ihre Lieblingsthemen

„Ich halte Kleve für ambitioniert“, beschreibt sie ihre Wahl-Heimat. Sie liebt die Szene rund um den Kulturverein Cinque und „das Museum Kurhaus ist mein erweitertes Wohnzimmer, da wird ausgestellt, was man sonst in Paris oder Barcelona sieht“. Bildung und Kultur sind ihre liebsten Themen – was sie an ihre Tochter, eine Kuratorin, weiter gab.

Verkehr, Umwelt, Sport, Haushalt

Lokalpolitisch aber befasst sich Hedwig Meyer-Wilmes auch mit Verkehr, Umwelt und Sportfragen. „Und ich beschäftige mich gern mit dem Haushalt“, hat sie vor Zahlen keine Angst. Als Fraktionsvorsitzende – Nachfolgerin von Siegbert Garisch – erwartet sie, noch enger an Informationen zu sein, obwohl bei den Grünen jeden Montag alle Mandatsträger alle Ausschüsse durchsprächen. „Aber die Klever haben mir voraus, dass sie tausend Geschichten kennen, ich muss die Hintergründe erst recherchieren.“ Ihr politisches Ziel ist es, unbedingt einige Jüngere in die Stadtpolitik zu holen. Konzepte langfristig entwickeln, Dinge organisieren, das ist ihr Ding. „Ich weiß, dass es schwierig ist, den Mitgliedern zu beweisen, dass den Grünen auch in einer Koalition mit der CDU ihr Profil bleibt.“ Es freut sie, dass in Kleve „der politische Umgang von gegenseitig wertschätzen ist“.

In Chören, zum Joggen im Wald

Mit dem neuen Lebensrhythmus gab sie ihr Mitwirken in einem Kammerchor auf, macht aber in den Ferien in Projektchören mit – „zuletzt in Schweden, Madrigale und im Pippi-Langstrumpf-Museum“. Wichtig ist ihr außerdem das Joggen im Wald und Park. Noch ein Pluspunkt für Kleve.

Astrid Hoyer-Holderberg, NRZ online vom 02.01.2013, Printausgabe 03.01.2013

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