Unsere Stadt soll schöner werden: Freie Sicht auf alte Stadtvilla am Bahnhof!

Unser grünes Ratsmitglied Dr. Hedwig Meyer-Wilmes schrieb mit weiteren bekannten Persönlichkeiten einen offenen Brief zur derzeitigen Stadtentwicklung.

Unmittelbar vor der alten Stadtvilla an der Bahnhofstr. 16 will die Zevens-Gruppe eine mehrgeschossiges Wohngebäude bauen. Foto: T. Velten

Unsere Stadt soll schöner werden: Freie Sicht auf alte Stadtvilla!

Seit 1962 findet alle drei Jahre ein Wettbewerb des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz statt. Unser Dorf soll schöner werden lautete bis 1997 die Parole, von vielen als Blumenwettbewerb belächelt und deswegen 1997 in Unser Dorf hat Zukunft umbenannt. An diesen Wettbewerb aus unserer Kindheit mussten wir denken, als wir die Bahnhofsstraße 16 entlang fuhren und das erste Mal seit 25 Jahren die Ostseite der alten Stadtvilla betrachten konnten. Das ganze Viertel ist dadurch ästhetisch aufgewertet. Für einen kurzen Moment stellten wir uns vor, dass hier eine Grünfläche statt eines 5-geschössigen Baus entstünde, das den Blick auf  diese Villa auf Jahrzehnte garantiert.

Zevens-Grundbesitz: Fehler machten die anderen

Bei unserer täglichen Zeitungslektüre erfuhren wir, dass Herr Koenen von der Firma Zevens Grundbesitz sich zu der Neubebauung eines 5-geschossigen Wohngebäudes plus Staffelgeschoss mit 16 Wohneinheiten auf die kritischen Nachfragen der Journalisten lapidar äußerte, der „Fehler“ für die Bebauung sei denen anzulasten, die vor ca. 50 Jahren das Gartengrundstück verkauft hätten.

Diese Äußerung zeigt das Problem: Investoren neigen dazu, jeden Millimeter Baugrund –an dieser Stelle noch über die Bordsteinkante hinaus- zu bebauen und drei Etagen höher als die alte Stadtvilla daneben. Alles muss groß, rentabel und möglichst hoch sein (vgl. auch Nassauer Allee).  Ob Nachbarn dann nur noch Schatten haben und auf Betonwände starren müssen, scheint unwichtig. Zevens plant die Wohnungen älteren Menschen anzubieten. Dieses vordergründige Alibiargument hofft vielleicht auf die Sehschwäche unserer Generation, deckt sich aber keineswegs mit unseren Lebens- und Wohnansprüchen.

Unmut auch in Rindern und Materborn

In diesem Sommer dürfte doch deutlich geworden sein, dass der Bürgerunwille gegen das geplante Riesengebäude in Materborn, gegen die gigantisch angelegten Altenwohnungen in Rindern und den Komplex am Minoritenplatz weniger ein  Protest gegen die Nutzung sind, sondern gegen eine Architektur, die den Blick verstellt und die Umgebung abwertet.

Hier sind neben Stadtrat und Bauausschuss auch die Investoren verantwortlich, die auch Spielräume haben und sicher nicht die verstorbenen Klever, denn die haben uns dieses Schmuckstück beschert. Unsere Stadt hat Zukunft? Ein oftmals belächelter kleiner Dorfwettbewerb auf die Stadt übertragen, würde hier der Gigantomanie von Neubauten vielleicht Einhalt bieten können!

Dr. Hedwig Meyer-Wilmes
Dr. Bernd und Carmen Ribbert
Agnes Gimnich

 

Hier gehts zum Bericht der RP mit historischen Bezügen

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