„Bauern müssten alle Grüne wählen“

Diplom-Pädagogin Susanne Siebert (47) aus Kleve will es noch einmal wissen: Sie ist die Landtagskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen im Nordkreis Kleve. Nach 2012 tritt sie nun ein zweites Mal für ihre Partei im Landtagswahlkampf an. Im Kurier am Sonntag spricht sie über ihre Motivation und Chancen, über Uferschnepfen, Bauern und über die politischen Mitbewerber FDP und Piraten.

Susanne Siebert im Interview mit dem Kurier am Sonntag

Susanne Siebert ist die Kandidatin für die Landtagswahl im Kreis Kleve Nord – Foto: Velten


Im Kurier am Sonntag spricht Susanne Siebert über ihre Motivation und Chancen, über Uferschnepfen, Bauern und über die politischen Mitbewerber FDP und Piraten.

Sie kandidieren zum zweiten Mal für den Landtag. Ihre Chancen auf den Einzug sind aber sehr, sehr gering. Warum tun Sie sich das an?

Siebert: „Der letzte Landtagswahlkampf hat mir viel Spaß gemacht. Außerdem bin ich beeindruckt von der Arbeit der grünen Landtagsfraktion. Ich will mithelfen, dass wir diese gute Arbeit in den nächsten Jahren fortsetzen können. Deshalb engagiere ich mich und nicht aus einem persönlichen Vorteils- oder Karrieredenken. Mein Ziel ist es, hier vor Ort daran mitzuarbeiten, dass Rot-Grün weiterregiert. Und zwar mit einer stabilen Mehrheit. Der Albtraum wäre eine Große Koalition, weil alle anderen Koalitionen keine Mehrheit hätten.“

Eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP lehnen Sie also ab?

Siebert: „Ich sehe da keine Schnittmengen. Wenn es die geben würde, hätte die FDP ja dem Haushalt zustimmen können. Mir ist die Frage aber auch zu spekulativ. Die FDP wird den Einzug in den Landtag verpassen. Und das ist auch gut so. Denn es wäre die berechtigte Quittung der Wähler für eine Partei der sozialen Kälte, die Schlecker-Mitarbeiterinnen sich um eine ´Anschlussverwendung´ zu bemühen. Eine solche Partei fliegt zurecht aus dem Landtag.“

Es könnte sein, dass der Erfolg der Piratenpartei die Regierungspläne von Rot-Grün zunichte macht.

Siebert: „Dieser Erfolg in den Umfragen und den vorangegangenen Landtagswahlen ist für mich unerklärbar. Die Sympathien haben ja wohl nichts mit den inhaltlichen Positionen der Piraten zu tun. Ich denke, es ist das Neue, Unverbrauchte und Unkonventionelle, das die Menschen so begeistert. Dagegen kann man als Grüner ja erstmal nichts haben. Wir haben auch einmal so angefangen und viel Attraktivität aus dem Umstand gezogen, anders zu sein. Aber ich glaube, dass unsere inhaltliche Ausrichtung schon immer klarer und erkennbarer war. Der Erfolg der Piraten scheint sich allein aus der Politikverdrossenheit vieler Bürger zu nähren.“

Was war eigentlich Ihre Motivation bei den Grünen mitzumachen?

Siebert: „Das fing 1984 an als ich Abiturientin war. Da habe ich zum ersten Mal für die Grünen bei der Kommunalwahl kandidiert, damals noch in der Eifel. Die Motivation war der Umweltschutz. Für mich bis heute neben der Sozialpolitik meine wichtigste Triebfeder, mich politisch einzubringen. Ich bin wirklich von dem Spruch überzeugt, dass wir die Erde nur geliehen haben und sorgsam mit ihr umgehen müssen. Ich denke, da haben die Grünen in den letzten Jahrzehnten viel erreicht und bewegt. Aber es bleibt noch immer viel zu tun. Die Frage nach einem Endlager für den Atommüll, die Klimaerwärmung, die Energiefrage – alles Themen, die uns in den nächsten Jahren noch beschäftigen werden und für die es die Grünen braucht.“

Die Kreis Klever CDU wirft dem Grünen Umweltminister in NRW vor, durch den Schutz der Uferschnepfe die Landwirtschaft hier vor Ort in ihrer Existenz zu bedrohen. Sind die Grünen beim Umweltschutz zu dogmatisch und vergessen die Interessen der Menschen?

Siebert: „Ach, das ist jetzt so ein Wahlkampfthema, das von der CDU bewusst hochgekocht wird. In Wirklichkeit ist das doch gar kein Aufreger. Ich verstehe sowieso nicht, warum die Bauern sich so von der CDU vereinnahmen lassen. Eigentlich müssten die doch alle Grüne wählen. Wer profitiert denn am meisten von der Förderung der regenerativen Energien? Wer hat denn die größten Solarflächen und meisten Windräder im Kreis Kleve? Das sind doch die Landwirte. Die Grünen stehen an ihrer Seite und versuchen, mit den Bauern eine nachhaltige Landwirtschaft zu entwickeln, damit unsere Kulturlandschaft und unsere Agrarbetriebe auch eine Zukunft haben.“


Kurier am Sonntag, 22.04.2012, Interview mit Olaf Plotke

 

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